Die Blockade der Straße von Hormus wird zum zunehmenden Risiko für die Weltwirtschaft. Eine aktuelle Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII), des Complexity Science Hub (CSH) und der TU Delft zeigt: Kurze Blockaden von bis zu zwei Wochen hätten nur begrenzte wirtschaftliche Folgen. Dauert eine Störung jedoch länger als vier Wochen, können sich Verzögerungen entlang globaler Lieferketten aufschaukeln. Bei einer 56-tägigen Blockade würden sich die Verzögerungen im globalen Tankerverkehr deutlich verstärken, da sich verpasste Hafenfenster, Staus in Häfen und verschobene Fahrpläne gegenseitig verstärken. Kurzfristig rechnen die Studienautoren mit Preissteigerungen und Marktvolatilität und nicht mit unmittelbaren Lieferausfällen und Versorgungsengpässen. Strategische Reserven, Lagerbestände und alternative Lieferanten könnten kurzfristige Engpässe abfedern. Langfristige Blockaden könnten jedoch zu anhaltend hohen Energiepreisen, steigenden Produktionskosten und sinkender Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrien führen.
„Je länger eine Störung dauert, desto stärker wirken sich Kettenreaktionen in globalen Lieferketten aus. Die wirtschaftlichen Folgen steigen dann überproportional an“, erklärt Stefan Thurner, Studienautor und Präsident des Complexity Science Hub (CSH).
Österreich kaum direkt betroffen
Für Österreich zeigt die Analyse eine vergleichsweise geringe direkte Abhängigkeit. Die jährlichen Importe aus den fünf untersuchten Golfstaaten liegen bei rund 0,3 Milliarden US-Dollar. Der größte Anteil entfällt auf die Vereinigten Arabischen Emirate mit rund 0,2 Milliarden US-Dollar, vor allem bei Industrieausrüstung und Maschinen. Hinzu kommen Aluminiumprodukte aus Bahrain (0,05 Milliarden US-Dollar) sowie kleinere Importvolumen aus Iran, Katar und Kuwait. Strategische Abhängigkeiten bestehen dabei nicht. Mögliche Auswirkungen einer längeren Blockade würden Österreich vor allem indirekt über steigende Energiepreise in Europa treffen: „Sollten LNG-Lieferungen nach Ländern wie Italien, Belgien oder Großbritannien ausfallen und die europäischen Gaspreise steigen, könnten sich diese Effekte über die integrierten Energiemärkte auch in Österreich bemerkbar machen“, sagt ASCII-Direktor Peter Klimek.
