LKW-INDUSTRIE

Wolf übernimmt MAN-Steyr

Wolf übernimmt MAN-Steyr Die Meinung von Chefredakteur Marco Dittrich war in der ZIB2 gefragt. | © ORF

„Die verfahrene Situation war unerträglich“, zeigt sich MAN-Vorstandsvorsitzender Andreas Tostmann über die Einigung erleichtert. Beide Seiten haben sich bewegt und seien dabei auf wesentliche Forderungen der Arbeitnehmerseite eingegangen, betont er. Damit ist die Standortschließung des Werks vom Tisch: Siegfried Wolf übernimmt den Produktionsstandort mit allen Mitarbeitern, produziert (zumindest) bis Anfang 2023 weiter im Auftrag von MAN Lkw und Lkw-Komponenten und will parallel dazu neue Fertigungen aufbauen, von denen nach Wolfs Angaben ab 2023 sieben neue Nutzfahrzeugtypen unter der Marke „Steyr“ für den Export auf den Weltmarkt vom Band laufen sollen.

Beide Seiten haben sich bewegt und sind dabei auf wesentliche Forderungen der Arbeitnehmerseite eingegangen.

man-vorstandsvorsitzender andreas tostmann

Wolf will dabei seine Zusagen aus dem verbesserten Übernahme- und Sozialplankonzept einlösen: Es bleiben 1.250 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und sämtliche Lehrlinge beschäftigt; maximale Lohnreduktion von minus 15 Prozent vom Nettobezug; zusätzlich können in einer mit dem Land Oberösterreich geschaffenen, zweckgebundenen offenen Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft weitere 150 Beschäftigte Arbeit finden.

Insgesamt sei es so möglich, zwei Drittel der bisher am Standort tätigen Stammbelegschaft zu halten, so ein Wolf-Sprecher. Die neue Produktlinie umreißt selbiger mit „sieben Nutzfahrzeuge vom Kastenwagen über einen Citybus bis zum Lkw“. Man setze künftig auf die Schwerpunkte Elektromobilität, Wasserstofftechnologie und autonomes Fahren. Interessanterweise wird MAN „um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen“, wie es heißt, länger als bisher geplant für Aufträge sorgen. So sollen bis Mai 2023 die Baureihen TGL und TGM produziert werden – für den MAN-Produktionsverbund wird WSA zudem weiter Komponenten fertigen und Kunststoffteile lackieren. Auch hier wurden die Laufzeiten teilweise verlängert.

„Keine industriell schlüssigen Gegenangebote“

Hintergrund: Im September 2020 hatte MAN angekündigt, sein Werk Steyr im Rahmen der tiefgreifenden Neuausrichtung des Unternehmens zur Disposition zu stellen. Als einzige tragfähige Alternative zur Schließung kam nur der Verkauf an WSA in Frage, da darüber hinaus – trotz gegenteiliger Berichte – bis heute keine weiteren Kaufinteressenten industriell schlüssige Angebote vorgelegt haben, heißt es aus der MAN-Konzernzentrale.


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