Die Tiroler Luegbrücke (A13 Brennerautobahn) soll ja bekanntlich ab 1. Jänner 2025 in beide Fahrtrichtungen einspurig geführt werden. Im September will die Asfinag ein Maßnahmenpaket vorstellen, das auf Grundlage eines am 25. Juli 2024 gestarteten (und wissenschaftlich begleiteten) mindestens zweiwöchigen Testbetriebs basieren soll. Sämtliche Fahrzeuge über 3,5 Tonnen sollen im Rahmen dessen am linken Fahrstreifen fahren. Ziel: Wertvolle Erkenntnisse für die zweistreifigen Verkehrsführungen an den starken Reisetagen. Dies sei aus Sicht der Asfinag unerlässlich, „um die Grenzen der Leistungsfähigkeit dieser Lösung zu untersuchen“, wie es heißt. Dass eine derartige Verkehrsführung überhaupt umgesetzt werden könne, habe auch der abschließende Bericht zur Brückenhauptprüfung bestätigt, heißt es seitens des Straßenbetreibers.
Lastreduktion soll zeitweise Zweispurigkeit ermöglichen
Und so soll das Ganze in der Praxis aussehen: Der Schwerverkehr wird im Zulauf vor der Teststrecke von der rechten Spur auf die linke Spur geleitet. Dadurch werde gewährleistet, dass die größte Last zentriert auf der Brücke unterwegs und dadurch entlastet ist. Der Pkw-Verkehr könne, so die Asfinag-Verantwortlichen, muss aber nicht auf die rechte Spur wechseln. Wesentliche Rahmenbedingung dafür sei jedoch, dass ein Befahren der rechten Spur durch Fahrzeuge über 3,5 Tonnen während der Zweispurigkeit zur Gänze vermieden wird.
Die auf den ersten Blick verwirrende Vorgehensweise für Verkehrsteilnehmende stellt sich die Asfinag wie folgt vor:
- Der Verkehr wird auf der Zulaufstrecke zum Testbereich von drei auf zwei Spuren zusammengeführt.
- Hinweise und Schilder fordern die Verkehrsteilnehmenden dann auf, ausreichend Abstand zu halten und versetzt zu fahren. Das ermögliche im Anschluss das Einfädeln auf die jeweils andere Fahrspur.
- Mit ausreichend Platz und Zeit sollen Lkw und Busse auf die linke Spur wechseln.
- Erst danach verhindern Leitwände einen weiteren Spurwechsel. Dadurch will die Asfinag gewährleisten, dass keine Fahrzeuge über 3,5 Tonnen die rechte Spur wählen.
- Am Ende der Teststrecke sollen Lkw und Busse wieder wie gewohnt auf die rechte Spur wechseln.
Erkenntnisse aus Brückenprüfbericht
Die wesentlichen Erkenntnisse aus dem Brückenprüfbericht beschreibt die Asfinag wie folgt:
- Weitere Lastbeschränkung ab 1. Jänner 2025 erforderlich: Wie bereits angekündigt, stehen ab diesem Zeitpunkt auf der Luegbrücke im Regelbetrieb nur mehr eine Spur pro Fahrtrichtung zur Verfügung. Durch diese Entlastung kann die Brücke auch weiterhin sicher betrieben werden.
- Einspurige Verkehrsführung pro Richtung möglichst in Brückenmitte: Diese Einspurigkeit erfolgt so, dass die Lasten zentriert auf der Brückenmitte geführt werden müssen.
- Zweispurige Verkehrsführung pro Richtung mit Lkw und Bussen in Brückenmitte und einer Entlastungsspur für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen auf der äußeren Spur: Für eine temporäre Zweispurigkeit an verkehrsstarken Tagen ist dies eine wesentliche Grundlage. Die Asfinag betont, dass diese Zweispurigkeit an ausgewählten Tagen, insbesondere an Wochenenden, erfolgen wird. Mit dem Testbetrieb sollen jetzt auch Aufschlüsse über die erreichbare Kapazität in Abhängigkeit der Anzahl der abgefertigten Lkw-Verkehrszahlen in der Verkehrsführung ermittelt werden.
- Bei zweispurigen Verkehrsführungen müssen die Lastbeschränkungen lückenlos kontrolliert und überschwere Fahrzeuge abgeleitet werden: Dies wird mit einem umfassenden Personaleinsatz vor Ort erfolgen.
- Die Verkehrsführungen können pro Fahrtrichtung unterschiedlich gewählt werden: Das bedeutet, dass auf die Reiserichtungen (Rückreisewelle, Ferienstarts, etc.) auch entsprechend reagiert werden kann. Das heißt, dass nicht zwingend in beiden Richtungen gleichzeitig eine Zweispurigkeit gewährleistet wird.
Asfinag-Appell: Neubau der Luegbrücke!
Mit einem einspurigen Regelbetrieb wird es zwangsweise zu Einschränkungen und Behinderungen auf der Luegbrücke kommen. Nicht zuletzt deshalb erneuert die Asfinag den Appell, den Neubau der Luegbrücke nicht weiter zu verzögern. Denn: Nur die Inbetriebnahme der neuen Brücken beendet die Zeit der Einspurigkeit und somit die Phase mit Belastungen und Staus. Die Asfinag will mit den Arbeiten im Frühjahr 2025 beginnen – dafür laufen aktuell die notwendigen Verfahren. Die Bauzeit für das erste Brückentragwerk beträgt laut dem Straßenbetreiber zweieinhalb bis drei Jahre. Mit der Fertigstellung beider Brückentragwerke rechnet die Asfinag nicht vor 2030.
Hier ein Filmbeitrag der Asfinag zum Probebetrieb:
